Die Herausgabe des Albums House Party New Orleans Style ist ein außergewöhnliches Ereignis in der Geschichte amerikanischer Musik.Das Material - die Lost Sessions-wurde in den Jahren 1971/1972 für die Firma Bearsville aufgenommen, aber nie veröffentlicht, und drohte, in einer privaten Sammlung langsam zu verstauben. Es sind die ersten Aufnahmen dieses legendären New Orleans- Pianisten, die gemacht wurden, nachdem 1970 seine zweite Karriere begann, und die nach seinem Tod im Jahre 1980 einen sagenhaften Ruhm erhielten, aber nirgendwo aufzufinden waren.

Professor Longhair(am 18.12.1918 in Bogalusa/Louisiana unter dem Namen Henry Roeland Byrd geboren) ist einer der Ahnen des Rock 'n' Roll - schon in den 40er und 50er Jahren spielte er, aus der Tradition des Jazz herausgewachsen, einen für New Orleans typischen Rhythm & Blues, der musikalische Elemente des Ragtime,New Orleans Boogie, Latin, Cajun und Zydeco vereinigt. Sein einzigartiges Pianospiel- rhythmisch harter Anschlag mit der linken Hand und schnell dahingleitende Arpeggios der Rechten, sowie eine perkussive Pedaltechnik - beeinflußte später Musiker wie Fats Domino, Huey Smith, Dr. John und Allen Toussaint.

Unter den Kennern und Genießern des Rhythm & Blues erhielt "Fess" einen fast mythologischen Ruhm als 'Bach des Rock 'n' Roll' (wie Allen Toussaint ihn nennt), der sich allerdings nicht in entsprechenden Veröffentlichungen niederschlug, denn das breite amerikanische Publikum akzeptierte seinerzeit schwarze Musik erst, wenn ihre Ursprünge ausgewaschen und geglättet und - von Weißen nachgespielt - radiotauglich und somit kommerziell erfolgreich werden konnte. Seine Live-Auftritte in den Clubs New Orleans dagegen lockten Massen von begeisterten Zuhörern an, die sich in Trauben vor den überfüllten Kneipen sammelten. In den 50er Jahren gelangen "Fess" Hits in den R & B Charts (Baldhead, Tipitina und das 1958 eingespielte "Go To The Mardi Gras" wurden seine meistgekauften Platten, die noch heute reichlich Absatz finden). Doch bald darauf versank er wie so viele schwarze New Orleans Musiker in Vergessenheit, bis ihn Quint Davis und Alison Kaslow Ende der 6oer Jahre in einem Plattenladen wiederentdeckten, wo er gerade den Boden fegte.

1971 spielte "Fess" dann mit einem Riesenerfolg auf dem New Orleans Jazz & Heritage Festival, ein Jahr später erschien seine erste LP mit Aufnahmen , und aus dieser Zeit stammen die nun veröffentlichten Aufnahmen, die Lost Sessions.

Die erste Session wurde 1971 in Batton Rouge mit dem legendären, blinden Gittaristen Snooks Eaglin (der Ex-Gitarrist der Meters), dem Schlagzeuger Shiba und dem Bassisten Will Harvey Junior aufgenommen, die Zweite fand 1972 statt, auf der Professor Longhair mit 'Zig' Modeliste am Schlagzeug, dem Bassisten George Davis und wieder mit Snooks Eaglin spielte.

Die Lost Sessions sind nicht nur musikhistorisch von Bedeutung, sie beweisen, daß die Legende um Professor Longhair wahr ist. Seine Musik - auch sein kehlig vibrierender Tenor - sind voller Energie und Seele, und das Zusammenspiel der Musiker beweist höchstes musikalisches Format.

Nur wenige Jahre nach seiner Wiederentdeckung starb Fess - genau an dem Tag, als seine LP 'Crawfish Siesta' bei Aligator Records, Chicago, erschien. tausende von Menschen kamen zu seiner Beerdigung, unter vielen anderen Musikern auch Fats Domino, Irma Thomas und die Neville Brothers - erst zu seinem Tode wurde Professor Longhair die verdiente Aufmerksamkeit durch die Medien erwiesen, die er Zeit seines Lebens nie erhalten hatte.

"Jetzt sagt jeder, daß er ein Genie ist", sagt Quint Davis, "aber warum haben sie es nicht gesagt, als er noch lebte? Er hatte einen solch umfassenden Einfluß auf die Musik, aber die Schallplattenindustrie hat ihm nie eine Chance gegeben."

Und Aaron Neville sagt : " The body is dead, but Byrd is still here. "