Der Nachschub an Talenten aus der Alternative Rockszene in den USA scheint schier unerschöpflich. Tatsächlich findet die wirklich interessante Popmusik auf dem Campus oder über die Frequenzen der College-Radios statt, fernab von monströsen Mainstream-Unternehmen, Metal-Klischees und Schmuseballaden. Mit derartiger Charts-Einfalt haben die „Wild Carnation“ nichts im Sinn, und müssen gerade deshalb schon jetzt zu den Newcomern des Jahres gezählt werden.
Im Frühjahr suchten Richard Barnes(g,org)und Christopher O’Donovan(dr,perc,voc) in New York nach einem geeigneten Bassisten, um ihre ganz persönlichen Vorstellungen von Popmusik zu realisieren. Bei einem Club-Gig von „Yo La Tengo“ trafen sie auf die Bassistin, Sängerin und Texterin Brenda Sauter, die Ende der 80er zur letzten Generation der fabelhaften „Feelies“ gehörte. Nach einigen gemeinsamen Bierchen und viel Musik stellte man gleiche Wellenlängen fest und Brenda Sauter verzichtete zu Gunsten der „Wild Carnation“ auf ihr Engagement bei „Speed Of The Plough“.
Das Trio begann sich im Vorprogramm von Bands wie „Bats“, „Veruca Salt“, „Luna“ und den „Stranglers“ zu profilieren und im Frühjahr 1993 führte das „Interview“-Magazine „Wild Carnation auf einer Liste von zehn Gruppen die unbedingt einen Plattenvertrag bekommen sollten. Noch im gleichen Monat nahm ‚Delmore‘ die vielversprechenden Neulinge unter Vertrag.
Mit dem Erscheinen der Single „Dodger Blue“/“Lights Are On“ Ende 1995 begannen gleichzeitig die Arbeiten am ersten Album, die im April 1996 abgeschlossen wurden und nun europaweit bei Zensor unter dem Titel „Tricycle“ erschienen sind.
Im Sound von „Wild Carnation“ vereinigen sich die Intensität der frühen „Velvet Underground“, die Gitarrenleichtigkeit der „Byrds“ und die Aufbruchstimmung von „Television“.
„Wild Carnation“ sind jedoch weit davon entfernt vergessene Helden zu kopieren. Brenda Sauters eigenwillige Stimme paßt jederzeit perfekt zur faszinierenden Mixtur aus Popraffinesse, Country-Feeling und Gitarrenrock-Power. „Wild Carnation“ repräsentieren offensichtlich die logische Weiterentwicklung von Gitarrenbands wie eben den „Feelies“ und verfügen über ein noch längst nicht ausgeschöpftes an gehaltvollen Texten, markanten Melodien, Risikofreudigkeit und Selbstbewußtsein.
„Tricycle“ ist der erste , in jeder Zehntelsekunde gelungene Schritt in eine vielversprechende Richtung.
Nichts an „Wild Carnation“ klingt aufgesetzt oder künstlich, denn die Musiker arbeiten mit einfachen Mitteln- mit einem pumpenden Beat, hart angeschlagenen Jangle-Gitarren und verlockenden, sich ständig ändernden Gesangsfarben.
Ein Konglomerat, das die US-Fachpresse veranlasste, die Songs von „Tricycle“ mit der „Reckoning“-Phase von “R.E.M.“ zu vergleichen- wenn das kein Kompliment ist.