Das Village Vanguard ist ein Platz der Imaginationen. In der langen Geschichte des legendären Night Clubs - seine Gründung datiert sich zurück in die 30er Jahre - fanden zahlreiche geschichtsträchtige Sessions statt. Die Räume stecken dort voll positiver Vibrationen,
die schon Tenorsaxgiganten wie Sonny Rollins und John Coltrane zu begeisternden Marathonimprovisationen animierten.
Mit einer furiosen musikalischen Mischung, in welcher die Übergänge zwischen Swingpassagen, ruppig hingesetztem Hardbop,
folkloristischen Einfärbungen und aufregenden Avantgarde Sounds mitunter so abrupt verliefen wie eine Gratwanderung, hatte sich Sun Ra im Laufe seiner Präsenz auf diesem Planeten (1914-1993) eine treue Fangemeinde erspielt. Einige davon hatten das Glück,das Konzert des Sience Fiction Apostels im Village Vanguard (November 1991) live mitzuerleben - für die anderen ist die CD ein guter musikalischer Kompass.
Mite einer All Star Sextettbesetzung, die Sun Ra aus zum Teil jahrzehntelangen Gefolgsleuten wie John Gilmore (Tenorsax), Chris Anderson (Piano), Bruce Edwards (Gitarre), John Ore (Bass) und Earl C. "Buster" Smith (schlagzeug) gebildet hatte, hält der Meister in den Standards "Autumn In New York" und "S' Wonderful" und in zwei Eigenkompositionen besinnliche Retrospektive. In dem Bebop Klassiker "'Round Midnight" umzirpt er mit dem Synthesizer Andersons verträumte Pianomotive. Es klingt, als würde eine Grille aus dem Weltraum ihre Botschaft senden Doch die hier aufkommende elegische Stimmung wir durch das markig klingende Tenorsax von John Gilmore weggewischt.
Seine Improvisationdiskurs führen aus der meditativen Besinnung: Mit farbigen Klangbildern erzeugt dieser Tenorist neue Spannungsebenen. Seine originellen Einfälle geben auch dem Jam Session Ambiente in "Sun Ra Blues" starke Impulse. Hier hat man den Eindruck, als wolle die Band ihrem Guru eine Art musikalische Ovation bringen. mit seiner an Wes Montgomery orientierten Gitarrenpielweise - dessen Oktavtechnik wird brillant zitiert - ergänzt Bruce Edwards die phantasievollen Vignetten des Pianisten. Auch wenn sich Sun Ra bei diesem Konzert bis auf die Galaxis Hymne "Theme Of The Stargazer" solistisch sehr zurückhält, bringt er schon durch seine bloße Anwesenheit und durch einige prägnante synthesizer-Riffs das Sextett in swingende Umlaufbahnen