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Burkhardt Seiler (auch unter dem Namen "Zensor" bekannt) (geb. 19. September 1953 in Berlin) ist ein Labelbetreiber, Konzertveranstalter und Verleger. Zusammen mit Hans Keller schuf er den Begriff Neue Deutsche Welle. Die Anfänge des "Zensors" Nachdem Burkhardt Seiler Anfang der 1970er Jahre auf Rummelplätzen als Helfer für alles tätig war, als fliegender Händler die Krämermärkte aufsuchte und teilweise sogar Modeschmuck anbot, gilt das Jahr 1978 als ein entscheidender Wendepunkt dieses Marktfahrer-Daseins. Mit etwa 600 DM reiste er damals im Frühjahr 1978 nach London und kam mit einem Pappkarton neuester Singles zurück. Auf dieser Reise hatte er den Inhaber vom Plattenladen "Rough Trade": Geoff Travis kennengelernt. Seiler wurde zu einem der ersten Exportkunden des Londoner Ladens. Bald wurden die Platten nicht mehr nur aus England importiert, sondern auch aus den USA. Seiler verkaufte die mitgebrachten Tonträger auf Konzerten, auf Flohmärkten oder im privaten Kreis. Falls eine nachgefragte Platte nicht in seinem individuellen Angebot vorhanden war, rechtfertigte er dies spaßig mit dem Hinweis, sie sei zensiert. Deshalb bekam er den Beinamen "Zensor".

„Zensor“ hieß auch der Plattenladen in der Belziger Straße (Berlin-Schöneberg), den der damals 25-Jährige zusammen mit Tina Fiedler im Frühjahr 1979 eröffnete. Das Angebot umfasste Punk, New Wave, Reggae, Free Jazz und sogar etwas Klassik. Für Schallplatten, die in keine der bis dahin üblichen Rubriken einzuordnen war, kreierte Burkhardt Seiler zusammen mit dem renommierten Sounds-Journalisten Hans Keller die Bezeichnung „Neue Deutsche Welle“. Dieser Begriff wurde erstmals in einer Anzeige des Berliner Plattenversands „Zensor“ in der Sounds-Ausgabe vom August 1979 verwendet. Seiler und sein Laden waren auch maßgeblich an der Herausgabe des Fanzines „T4“ beteiligt.
Von Anfang an war an den Laden sowohl ein Versand als auch ein eigener Vertrieb geknüpft. Dadurch entstanden enge Kontakte zu Alfred Hilsberg (ZickZack Records), Hollow Skai (No Fun-Label) und nicht zuletzt zu Michael Voigt und dessen Frau Elisabeth Recker vom Berliner Label Monogam. Ebenso fanden im Keller des „Zensor“-Ladens an vielen Wochenenden legendäre Konzerte oder auch Sessions statt, u. a. mit Mania D (später (Malaria!), DIN A Testbild, Mittagspause und DAF (Deutsch-Amerikanische Freundschaft).
Nach der Schließung des Ladens 1983 widmete sich Seiler in der 1984 gegründeten „Zensor Musikproduktion GmbH“ verstärkt seinen eigenen Label-Produktionen und dem weiteren Vertrieb unabhängiger Labels.

Zusätzlich zum „Zensor-Laden“ kam es 1979 auch zur Gründung des nach Jean-Paul Marat benannten Marat-Labels. Als erste Produktion zählt die „Waschsalon Single“ (1980/ Marat Records T33)[1]. Ein Jahr später (1980) wurde das Zensor-Label geschaffen. Zensor war neben Ata Tak in Düsseldorf, No Fun in Hannover und ZickZack in Hamburg eines der ersten deutschen Independentlabels. Die erste Platte war die LP „Funeral In Berlin“ der englischen Gruppe Throbbing Gristle (1981/ Zensor 01).
Die „Zensor-Musikproduktionen“ umfassen eine weite Bandbreite, von tiefschwarzem Rhythm & Soul, über Countryrock, zur konsequenten Avantgarde bis hin zu Afrikanischer Musik. Bekannt wurden die Zensor-Labels bis heute u. a. durch Künstler und Bands wie Solomon Burke, Sonic Youth (Zensor veröffentlichte die ersten drei Alben der Band [2] in Europa) , Jonathan Richman, den Neville Brothers oder auch durch die teilweise auf Zensor-UK produzierten Beat Rodeo und Die Zwei (Band).

In einem engen Austausch zwischen dem Plattenladen und den Zensor-Labels stand auch Burkhardt Seilers Tätigkeit als Konzertveranstalter, die sich bereits in den Sessions im Keller seines „Zensor-Ladens“ abzeichnete. Anfang der 1980er Jahre folgten Konzerte im SO36 von z.B. Throbbing Gristle oder den Dead Kennedys, die er zusammen mit Michael Voigt veranstaltete. Zu Zeiten der Berliner Mauer scheute der Westberliner auch nicht den Ostteil der Stadt. Gemeinsam mit Fritz Rau übernahm er 1987 die Organisation des „New Orleans Soulfestivals“ während der 750 Jahrfeierlichkeiten in Ostberlin. Zu hören waren die „Zensor“-Künstler: Solomon Burke, Irma Thomas, Johnny Adams und die Neville Brothers. Ein Jahr später folgte ein Konzert von Jonathan Richman in der Werner-Seelenbinder-Halle.
Die wilde Umbruchsphase der späten 1970er und frühen 1980er Jahre wurde schließlich 20 Jahre später in dem 1998 erschienenen Buch „The Album Cover Art Of Punk“ von Burkhardt Seiler and Friends (Olms) anhand von Schallplatten-Covern dokumentiert. Das Vorwort zu diesem Bildband schrieb der ehemalige Sex Pistols-Manager Malcolm McLaren.

Der hier zitierte Text entstammt dem Artikel "Burkhardt Seiler" aus der Wikipedia-Enzyklopädie. Er steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.